Donnerstag, 20. Mai 2010

Anleitung zum Glücklichsein

Anleitung zum Glücklichsein



Ein neues Buch sorgt für Gesprächsstoff. Die Psychologin Ursula Nuber stellt darin fest, dass wir verlernt haben glücklich zu sein. Mit Studien aus der Glücks-Forschung will sie belegen, dass es fünf Dinge sind, die uns auf Dauer wirklich glücklich machen



Land ohne Lächeln. „Haben Sie gemerkt, dass man keinen Menschen mehr sieht, der irgendwie lächelt?“, wird ein 19-Jähriger in einem aktuellen Zeitungsartikel zitiert. Dass seine Wahrnehmung so falsch nicht ist, bestätigt das Institut für Demoskopie Allensbach in einer aktuellen Umfrage. Danach ist die Stimmung in diesem Land auf einem historischen Tiefpunkt. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung findet, alles sei in Unordnung geraten, 69 Prozent haben den Spaß an ihrer Arbeit verloren, jeder Fünfte fühlt sich niedergeschlagen. Zerrissenheit, Desinteresse, Enttäuschung und Lustlosigkeit sind dominante Gefühle im Erleben vieler Menschen. „Wir sind dabei, die Fähigkeit zu verlieren, Glück zu erkennen und zu empfinden“, stellt die Psychologin Ursula Nuber jetzt fest. Sie hat internationale Studien zum Thema Glück untersucht und in einem neuen Buch ausgewertet. Fazit: Die Voraussetzungen fürs Glück werden immer schwieriger. Hektik, Terminstress, das Gefühl wachsender Überforderung katapultieren das Glück auf die rote Liste der bedrohten Gefühle. „Kernproblem ist aber, dass wir die Verbindung zum Glück verloren haben. Wir erkennen oft nicht mehr, was uns glücklich macht und was nicht“, erklärt Nuber. Was fehlt, ist eine neue Philosophie des Glücks - eine Art Gebrauchsanweisung zum Glücklichsein. Genau die haben Glücks-Forscher jetzt verfasst.



“Das Glück ist ans einzige, was sich verdoppelt. Wenn man es teilt“

(Albert Schweitzer. 1875-1965)



Glück durch Engagement. Nur zehn Prozent aller Deutschen engagieren sich ehrenamtlich - etwa in Sportvereinen, den Kirchen, sozialen Einrichtungen. Eine im internationalen Vergleich niedrige Quote. Was das mit Glück zu tun hat? „Das bedeutet nichts anderes, als dass 90 Prozent der Deutschen zur Gruppe der Menschen gehören, die ein erhöhtes Unglücks-Risiko haben“, sagt der Psychologe Kai Werner. Überraschend, aber erwiesen: Wer anderen hilft, hilft vor allem sich selbst. Amerikanische Forscher stellten fest, dass in hilfsbereiten Menschen eine Quelle von Glückshormonen sprudelt. Der Wissenschaftler Allan Luks nennt den Effekt „Helpers High - das Hochgefühl des Helfers“. Das positive Lebensgefühl liegt bis zu 80 Prozent höher als bei unengagierten Menschen. Das Selbstvertrauen wächst und das Depressionsrisiko sinkt so stark, dass immer öfter Therapeuten dazu übergehen, Patienten mit mittelschweren Depressionen soziale Dienste zu verordnen statt Psychopharmaka - mit Erfolg.



„Der Mensch lebt von Natur ans inmitten totaler Unverlässlichkeit.“

(Kari Jaspers. 1883 -1969)



Glück durch Voraussicht. Lebensversicherungen, Airbags, Alarmanlagen - noch nie war eine Gesellschaft so versessen auf Sicherheit. Jetzt stellen Glücksforscherfest, dass uns gerade ungehemmtes Sicherheitsdenken unglücklich macht. Wieso? Weil das Gefühl von Sicherheit trügerisch ist. Risiken lassen sich reduzieren aber niemals komplett ausräumen. Wer aber das Gefahrenbewusstsein verliert, wird im Ernstfall umso stärker unter den Folgen leiden. In einer Studie über die Folgen eines Hurrikans hat die US-Psychologin Emmy Werner zum Beispiel festgestellt: Die Menschen, die auf eine „Unwetter-Katastrophe“ vorbereitet waren, haben sie am Ende nur vorübergehend als leidvolles Erlebnis erfahren. Und konnten auch vorher unbeschwerter mit der Gefahr leben. Das Prinzip der weisen Vorausschau gilt genauso für die kleinen Katastrophen im Alltag. Wer sich gedanklich mit möglichen Veränderungen und Schwierigkeiten auseinandersetzt und sich auf sie vorbereitet, blickt viel optimistischer in die Zukunft. Denn er weiß, er wird auch in der Not handlungsfähig sein und nicht so hilflos wie Unvorbereitete.



„Welcher Arbeit Sie auch nachgehen, machen Sie sie gut. Und wenn Sie Straßen fegen, dann fegen Sie wie Michelangelo malte.“

(Martin Luther King, 1929 -1968)



Glück durch Leidenschaft. In Umfragen zum Thema, was glücklich macht, werden am häufigsten genannt: Liebe und Familie, Karriere und Erfolg, Geld und Freizeit. Die Krux ist: Nichts von dem macht nachweislich glücklich. „Glücks-Illusionen“ nennen die Psychologen das Phänomen. Der Irrglaube: Es seien äußere Umstände (Erfolg oder ein liebender Partner), die für Glück entscheidend sind. Das Gegenteil belegt eine Langzeitstudie des US-Psychologen David G. Myers: Während sich das Pro-Kopf-Einkommen in den USA von 1930 bis 1990 etwa vervierfachte, blieb der Anteil der wirklich Glücklichen unverändert bei einem Drittel der Bevölkerung. Nicht ein Leben in Luxus, sondern ein Leben mit Leidenschaft macht glücklich, fand Myers heraus. Er stellte fest, dass immer mehr Menschen in die Lustlosigkeits-Falle geraten. Wer lustlos seiner Arbeit, seinen familiären Pflichten nachgeht, wird unglücklich. „Das Geheimnis ist, den Spaß an der eigenen Arbeit zurückzugewinnen. Wer das schafft, der hat den halben Weg zum persönlichen Glück geschafft“, erklärt Myers.



„Das Wissen vom Glück tragen wir in uns. Wir müssen es nur aktivieren“

(Sokrates, 470 – 399 v. Chr.)



Glück durch Dankbarkeit. Eine der schlimmsten Glücks-Killer ist die Unzufriedenheit. „Mehr Geld, mehr Freizeit, mehr Urlaub, mehr Erleben - Unzufriedenheit breitet sich wie ein Virus aus. Und es ist die Werbebranche, die diese Epidemie mächtig anheizt“, erklärt der Forscher Prof. Robert Emmons von der Universität Kalifornien. Emmons erforscht ein fast vergessenes Gefühl: Dankbarkeit. Er hat Erstaunliches festgestellt: „Dankbar sein zu können für das eigene Leben, ist die Schlüsselfähigkeit zum Glück“, sagt Emmons. Er nennt das Gefühl eine Ressource, die vor Enttäuschungen und Verbitterung schützt. „Das Problem ist, dass wir als Kinder der Anspruchsgesellschaft Dankbarkeit neu lernen müssen", sagt Emmons. Der Psychologe Timothy Miller hat sich dieses Problems angenommen und ein Vierschritte-Modell entwickelt:



1. Undankbare Gedanken identifizieren (Mein Ärger über meine Mutter ist nicht fair, weil...).

2. Dankbare Gedanken formulieren („Ich finde es toll, dass du dir Zeit für mich nimmst.“).

3. Nichtdankbare durch dankbare Gedanken ersetzen (statt: Mein Partner mischt sich in meine Angelegenheit ein lieber: Er steht mir immer loyal zur Seite).

4. Dankbare Gedanken in die Tat umsetzen (Wer mir hilft, dem biete auch ich meine Unterstützung an). „Diese Vorgehensweise mag uns seltsam vorkommen. Aber wer sich auf das Dankbarkeits-Experiment einlässt, wird bald feststellen, wie sich sein eigenes Glücksempfinden und auch die Reaktionen anderer Menschen aus dem eigenen Umfeld verändern“, sagt Emmons.



Glück durch Naturerlebnisse. Unser Leben spielt sich mittlerweile zu 95 Prozent in selbst geschaffenen Kunstwelten ab, die uns von der äußeren Natur abschotten. In unserer hochtechnisierten Alltagswelt haben wir immer weniger mit Nähe und Gefühlen und immer mehr mit Distanzen und Rationalität zu tun. Unsere Psyche aber braucht auch mal die Möglichkeit sich fallen zu lassen, eins zu werden mit der Umwelt. Psychologen haben herausgefunden, dass Bilder, die wir in der Natur in uns aufnehmen, weit weniger ermüden als Stadtszenen. Während Straßen und Häuser eher negative Emotionen fördern, lassen schöne Landschaftseindrücke die Stimmung steigen, den Puls und Blutdruck sinken, und das Gehirn schaltet leichter auf den Entspannung signalisierenden Alphawellenmodus. Besonders wegen der regenerierenden (und auch inspirierenden) Wirkung empfehlen Glücksforscher wöchentlich mindestens vier Stunden Krafttanken in und mit der Natur.








„Wir haben die Freiheit, glücklich zu sein – und die alleinige Verantwortung, es auch zu werden“



JEAN PAUL SARTRE

Französischer Philosoph und Schriftsteller. Sein Hauptwerk: „Das Sein und das Nichts“, 1905-1980







„Nähere Dich Dir selbst, dann bist Du nicht allein“



SOKRATES

Griechischer Philosoph. Hinterließ keine Schriften, weil er nur mündlich lehrte, 470 - 399 v. Chr.









„Glück ist das Talent für das Schicksal“



NOVALIS

Deutscher Dichter der Romantik, 1791 - 1872









„Nur die Würdigkeit glücklich zu sein ist das, was der Mensch erringen kann“



IMMANUEL KANT

Deutscher Philosoph. Hauptwerk: „Kritik der reinen Vernunft“, 1724-1804


Wege zum Glück



Die 4 wichtigsten Bücher Ursula Hüben „Die neue Leichtigkeit des Seins“, Scherz, 191 S., HC, 14,90 € Die Psychologin beschreibt eindrucksvoll, wie wir Glück wieder erkennen und empfinden lernen. Zehn Wege zu uns.



John Selby: „Was mich stark macht", dtv premium, 259 S., Taschenbuch, 15,00 € Einfühlsam und fundiert zeigt Bestsellerautor Selby den Weg aus der Negativitätsfalle zu wahrer emotionaler Stärke.



Dale Carnegie: „Sorge dich nicht, lebe!“, Fischer, 416 S., Taschenbuch, 14,90 € Der Klassiker in der Glücksliteratur: Carnegie weiß, wie wir zu einem von Ängsten befreiten Leben finden können.



Uwe Böschemeyer »Worauf es ankommt“, Piper, 343 S., Hardcover, 22,90 € Dem Psychotherapeuten geht es vor allem um die Bedeutung von Werten für ein glückliches Leben. Werte als Wegweiser.





Zeit haben, sich wohlfühlen, glücklich sein.

Mehr dazu unter: http://www.methode.de/

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