Mittwoch, 26. Mai 2010

Das Glück der kleinen Dinge

Das Glück der kleinen Dinge



Was macht uns wirklich glücklich? Ein langes gesundes Leben? Ein Kinderlachen? Oder ein Sechser im Lotto? Der Psychologe Heiko Ernst hat 7 Glücks-Prinzipien entdeckt



Was macht uns wirklich glücklich, Herr Ernst?

Sieben ganz unterschiedliche Dinge. Interessanterweise sind diejenigen Faktoren, die man am ehesten erwarten würde, überhaupt nicht vertreten.



Spielen Sie auf Karriere und Ruhm an? Dass die nicht unbedingt glücklich machen, weiß doch inzwischen jeder...

Nein - es ist viel überraschender. Selbst fundamental wichtige Dinge wie die Liebe, die bislang als Glücksbringer par excellence galt, machen uns nur bedingt glücklich. Denn die sieben „Essentials des Glücks“ sind ganz andere...



Nämlich?

Erstens Einfachheit. Dieses Prinzip besagt, dass man sich von allem Überflüssigen, Belastenden befreien soll.



Heißt das, alle Workaholics müssen schleunigst umdenken?

Überhaupt nicht! Es gibt zwar Workaholics, die vor Familie oder Verantwortung fliehen - aber viele von ihnen sind ganz glückliche Menschen. Mit Befreien ist etwas anderes gemeint...



Das müssen Sie näher erklären.

Sich vom Ballast befreien - wie „Hans im Glück“! Weniger ist meist mehr - wer loslassen kann, wird glücklicher.



Und der zweite Glücksbringer?

Das so genannte Diogenes-Glück. Damit ist gemeint: Passe deine Erwartungen und Ansprüche der Realität an wie der antike Philosoph Diogenes, der in einer Tonne lebte und zu Alexander dem Großen sagte: „Geh mir aus der Sonne!“



Sie wollen doch nicht etwa behaupten, wir könnten heutzutage in einer Tonne - ganz ohne Geld - glücklich werden?

Natürlich nicht. Übersetzt bedeutet dieses Prinzip: Wenn du dich arrangierst mit dem, was möglich ist, statt dir extrem hohe Ziele zu stecken, kannst du glücklich werden - selbst in einer Blockhütte.



Das klingt sehr asketisch. Gibt es gar kein Glücks-Prinzip, das auf eigenen Wünschen und Sehnsüchten aufbaut?

Doch - das so genannte „Gauguin-Prinzip, benannt nach dem berühmten Maler Paul Gauguin, der 1891 nach Tahiti auswanderte, um dort sein Glück zu finden. Das ist der Südsee-Traum, den jeder von uns irgendwann im Leben träumt. Eigentlich eine romantische Idee - die jedoch erstaunlicherweise öfter zum Glück führt als man vermuten könnte.



Und das vierte Glücks-Prinzip?

Die Damaskus-Strategie. Irgendwann im Leben kommt jeder an den Punkt, an dem er sich fragt, ob es nicht an der Zeit wäre, sich grundlegend zu verändern, statt so weiterzuleben wie bislang - wie der biblische Saulus aus Damaskus.



Heißt das, man sollte sein ganzes bisheriges Leben über Bord werfen?

Natürlich nicht. Manchmal reicht es schon, bewusst etwas zu tun, das man noch nicht zuvor getan hat.



Etwa Bergwandern, wenn man bisher immer Strandurlaub gemacht hat?

Ja. Das kann den Blick für die Vielfalt des alltäglichen Lebens schärfen. Natur ist

übrigens ein gutes Stichwort.



Inwiefern?

Es lenkt den Blick auf die so genannte

„Rousseau-Strategie“.



Was bedeutet „Rousseau"-Strategie konkret?

Jacques Rosseau prägte den Ruf „Zurück zur Natur!“ Das bedeutet natürlich nicht,dass wir antizivilisatorisch leben sollen. Oft reicht es schon aus, die Natur bewusst wahrzunehmen.



Sie wollen doch nicht behaupten, ein Waldspaziergang könnte uns glücklicher machen als ein Lotto-Gewinn?

Natürlich erfreut uns ein Lotto-Gewinn zunächst viel mehr. Interessanterweise belegt jedoch eine Studie, dass sich Lottogewinner kurz nach dem Ereignis wieder auf ihrem alten Gefühls-Niveau einpendelten: Wer vorher ein Pessimist war, bleibt es auch nach dem Gewinn.

Aber können wir unsere Glücksfähigkeit wirklich nur mit diesen Prinzipien steigern?

Ja - aber das ist einfacher, als es auf den ersten Blick erscheint. Denn jede Glücksstrategie lässt sich ganz einfach in Alltagsmethoden umwandeln.



Ein Beispiel bitte.

Viele Menschen fühlen sich vor allem dann deprimiert, wenn ihr Hirn nur noch um Sorgen kreist, zu wenig aktiv ist. Eine ideale Methode, um die Stimmung zu verbessern, können deshalb sogar Tätigkeiten wie Sport, Kreuzworträtsel lösen und etwas basteln sein - weil das Gehirn Erfolgs-Erlebnisse braucht, um wieder in Form zu kommen.



Wie würden Sie diesen Satz vervollständigen: Glück ist...

...vor allem in kleinen Dingen zu finden. Viele kleine Glücksmomente schenken uns auf lange Sicht mehr Zufriedenheit als wenige riesengroße - denn laut dem Gefühls-Forscher Ed Diener ist „Glück die Häufigkeit und nicht die Intensität von schönen Momenten.“ Außerdem müssen wir lernen, das Glücks-Paradox zu vermeiden.



Das Glücks-Paradox?

Man hört in dem Moment auf, glücklich zu sein, wenn man sich fragt, ob man es ist - denn dann fängt man nur damit an, sich zu sehr mit sich selbst zu beschäftigen. Und Ich-Zentriertheit ist – neben Angst und Langeweile - der größte Glücks-Killer.



Interview: Mike Powelz • Juni 2003





Das „Down-Under“-Prinzip:

„Als ich mein Leben auf den Kopf stellte, kam das Glück...“

John Szangolies



„Als Fernmeldetechniker in Deutschland ging es mir nicht besonders gut. Doch als ich dienstlich nach Down Under kam, entdeckte ich meine Liebe zu Australien. Heute liebe ich das Leben, besitze drei Lokale in Sydney!" Heiko Ernst: „Instinktiv richtig hat John sein Leben auf den Kopf gestellt - Down Under im wörtlichen Sinn!“



Das „Rousseau"-Prinzip.

„Das Glück? Es wohnt in der Natur!"

Silvia Furtwängler



„Ich war eine ganz normale Hausfrau“, erzählt Silvia Furtwängler - „bis ich meinen ersten Schlittenhund sah. Da erwachte ein Wunsch in mir: einmal im Leben am härtesten Hundeschlittenrennen der Welt teilnehmen - beim Yukon Quest in Alaska! Letztes Jahr war es soweit: 1600 km Alaska - im Einklang mit der Natur!“ Heiko Ernst: „Mit der Natur und in der Natur zu leben schenkt unseren gestressten Seelen oft mehr Glück als alles Materielle.“



Das „Diogenes“-Prinzip:
„Wo das Glück lebt? In meiner Blockhütte!“

Anne Donath



400 Euro soll Anne Donath später als Rente bekommen – zu wenig, um so zu leben wie bisher: „Deshalb habe ich meine Lebensumstände rechtzeitig vereinfacht, lebe von 370 Euro p. M. in einem kleinen Blockhaus.“ Ernst: „Verzicht kann extrem viel Glück schenken!“



Das „Hans-im-Glück“-Prinzip:

„Je weniger ich hatte, desto glücklicher war ich!“

Günter Wester



Früher war Günter Wester Top-Ingenieur, Porschefahrer und Maßanzug-Träger. Sein Monatsgehalt: 10 000 Euro. Heute lebt er in einer kleinen Garage in Rom - als Hausmeister. Sein Monatseinkommen: 500 Euro. „Das ist das Glück des einfachen Lebens“, sagt Heiko Ernst - „Herr Wester ist ein moderner Hans im Glück...“



Das „Gauguin”-Prinzip:

Ich fand das Glück – auf Samoa in der Südsee!“

Werner Kappus



„Ein 18-Stunden-Tag. 100 Mitarbeiter und immer kurz vor dem Herzinfarkt“, sagt Werner Kappus - „so sah mein Leben früher aus“. Heute lebt Kappus mit seiner Frau Theresa und Sohn Tau-Jürgen auf Samoa, führt Touristen über seine Trauminsel - für 60 Euro am Tag. „In Deutschland“, erzählt er, war ich längst tot - gestorben am Alltags-Stress!“ Heiko Ernst erklärt: „Auswandern kann tatsächlich glücklich machen – sofern die wirtschaftlichen Voraussetzungen stimmen und man realistisch genug ist, sich nicht finanziell zu übernehmen!“



www.samoa-info.de



Das „Damaskus“-Prinzip:

„Glück? Das liegt für mich über den Wolken...“

Stefanie Hecht



Acht Jahre arbeitete Stefanie Hecht bei eine Bank. „Bankkauffrau war mein Wunschberuf seit meiner Kindheit. Doch irgendwann war klar, dass ich das nicht bis zur Rente machen möchte.“ Da sie nebenbei mit dem Fallschirmspringen begonnen hatte, bewarb sie sich bei der Lufthansa - und fliegt heute all Co-Pilotin im europäischen Luftverkehr. Heiko Ernst: „Manchmal ist es sinnvoll, etwas ganz Neues zu beginnen. Wer glücklich sein will muss etwas wagen. Denn: Gescheitert ist man nicht, wenn man etwas falsch macht, sondern wenn man einen Weg gar nicht erst versucht!



Das „Freud“-Prinzip:
„Glück ist, seine Träume zu verwirklichen!“

Raimund Fehrmann



„Mein Leben als Ingenieur bestand nur aus Hektik – bis ich beruflich nach Thailand reiste und den Andamanensee sah. Dieses Paradies kannte ich bereits – aus meinen Träumen. Und so wanderte ich aus, wurde Dschunken-Kapitän!“ Ernst: „Schon Sigmund Freud sagte, Träume sind Wünsche. Wer sie realisiert, hat gute Chancen auf dauerhaftes Glück!“



www.dschunkenreise.de





Mehr Infos zum Glück im Internet:



www.zeitzuleben.de/buch/pe/gluecksformel.htm

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

 

kostenloser Counter