Donnerstag, 29. Juli 2010

Die Regeln des Glücks

Die Regeln des Glücks

Machen neue Schuhe glücklich? Ein Sechser im Lotto? Oder doch eher nette Kollegen und gute Freunde? Glücksforscher haben diesen Lebensfragen etliche neue Studien gewidmet und fanden erstaunliche Antworten. Die wichtigsten Erkenntnisse – und wie wir sie nutzen können


Auf die Frage: „Was ist Glück?“ meinte der Komiker Otto Waalkes: „Schönheit, Reichtum und Ruhm sind völlig bedeutungslos. Es kommt doch nur darauf an, dass man gut aussieht, jede Menge Geld hat und dass alle einen kennen.“ Blöder Scherz? Na ja, er liegt immerhin dicht neben der Wahrheit - beziehungsweise neben dem, was bislang viele Menschen für wahres Glück hielten. Bislang. Doch seit kurzem scheint es neue Glücksformeln zu geben – und völlig unerwartete Erkenntnisse darüber, was dem Glück im Wege steht. Dass das Glück zum Ziel der Forschung wird, ist relativ neu. Doch offenbar trifft die Wissenschaft damit genau den Nerv der Zeit: Drei der vier im Herbst meistverkauften Sachbücher in Deutschland handeln vom Glück. Die Bestseller verdeutlichen den Trend zur Neubesinnung: In Zeiten von Job-Angst und Blitzscheidungen suchen offenbar immer mehr Menschen wahre Werte: tiefe Gefühle statt Geld, Lebenslust statt Karriere. Dabei ist die zentrale Frage: Was macht uns denn nun glücklich? Oder anders gefragt: Wie stark können wir es selbst beeinflussen, glücklich zu werden? Psychologen, Soziologen und Hirnforscher haben jetzt ihre aktuellen Studien zum Thema zusammengetragen und dabei erstaunliche Übereinstimmungen ausgemacht. Alles Glück braucht Kontrast, meint dazu der Psychologe Dr. Lutz Fromm. Und er hat gleich einen ganzen Koffer voller Ratschläge parat: Nicht jeden Hunger gleich stillen, nicht in vollklimatisierten Räumen leben, nicht in den ewigen Frühling ziehen, nicht alle Feste gleichmäßig über das Jahr verteilen. Stattdessen Kontraste, Einschränkungen und Zäsuren bejahen, auf Genüsse warten und sich selbst die Vorfreude gönnen. Im Klartext heißt das: Essen Sie Fondue im Winter, bräunen Sie im Sommer, verschenken Sie Tulpensträuße im Frühling. Alles zu seiner Zeit. Das ist eines der wirksamsten Glücksrezepte.


Wie lange hält das Glück des Lottokönigs?

Nach Meinung von führenden Forschern hängt Glück maßgeblich von der inneren Einstellung ab. Äußere Faktoren spielen eine verblüffend untergeordnete Rolle. Es gibt mehrere Studien, die belegen, dass Lottogewinner nach einem kurzen Rausch wieder auf dem gewohnten Zufriedenheitslevel landen. Glücksgefühle lassen sich durch Geld kaum vermehren, bestätigen Sozialforscher. Oder um es mit dem Schauspieler Richard Gere zu sagen: „Nirgendwo auf der Welt habe ich mehr Glanz, Reichtum und Schönheit gesehen als in Beverly Hills – und nirgendwo sonst mehr Depressionen.“ Woran das liegt, erklärt der Glücksforscher Prof. James Ogilvy, Kalifornien: „Wir neigen dazu. Glück an Bedingungen zu knüpfen: Wenn mein Haus abbezahlt wäre, wenn ich einen anderen Job hätte, wenn ich jetzt im Urlaub wäre..., dann wäre ich auch glücklich. Wer so denkt, macht sein Glück vom Erreichen dieses Ziels abhängig und verschiebt es unbewusst in die Zukunft... Wahres Glück kann sich so kaum einstellen.


Warum sind kleine Kinder glücklicher als große?

Psychologen stellten fest: Das Ende der Jugend ist ein Grund zum Feiern. Denn es ist der Beginn des Glücks. Das ermittelte eine Schweizer Psychologengruppe. Danach sind kleine Kinder absolut glücklich, größere nicht mehr so, pubertierende kaum noch. Bis zum 30. Lebensjahr nimmt das Glück ab, erst danach kann es wieder stetig ansteigen. Der Grund? Dazu die Glücksforscherin Susan Assmann: „Als Kinder sind wir aufrichtig und völlig authentisch. Das macht uns zufrieden mit uns und der Welt. Als Jugendliche beginnen wir, eine Scheinpersönlichkeit aufzubauen und unsere wahren Ansichten und Gefühle zu verbergen. Als junge Erwachsene sind wir zu sehr im Rollenverhalten verhaftet, um glücklich zu sein. Wir spielen die Job-Rolle, die Partner-Rolle, vielleicht die Eltern-Rolle. Erst ab Anfang 30 trauen sich viele Menschen wieder, aufrichtig und authentisch zu leben. Der Effekt: Ehrlichkeit und Offenheit vereinfachen das Leben – und schenken Glücksgefühle. Die Psychologin rät: Erzählen Sie einem Freund oder Ihrem Partner etwas von sich, was Sie bislang geheim gehalten haben. Sie werden sehen: Es ist ein erleichternder erster Schritt zum Glück.


Warum sehen wir Glück nicht, wenn es da ist?

In einem sind sich alle Glücksforscher einig: Es gibt lediglich Wolken, die unseren natürlichen Glückszustand verdunkeln. Die Wolken haben wir selbst geschaffen, etwa durch die Vorstellung, wie das Leben zu sein hat. Der britische Psychologie-Professor Nick Ardagh, der früher als Motivationstrainer gearbeitet hat, erzählt gern die Geschichte eines Urlaubs. Er traf an einem See in Wyoming einen Indianer, der angelte. „Was tun Sie da?“ fragte Ardagh. „Ich angle“, sagte der Indianer. „Wenn Sie zwei Angeln benutzen würden, könnten Sie mehr Fische fangen“, meinte der Erfolgstrainer. Der Indianer: „Wozu?“. Ardagh: „Weil Sie dann mehr Geld verdienen könnten, für ein weiteres Boot etwa. Sie könnten jemanden einstellen und vielleicht richtig reich werden.“ „Und warum sollte ich das tun?“ Ardagh: „Dann könnten Sie öfter in den Urlaub fahren, etwa zum Angeln.“ Der Indianer lächelte... Heute weiß Nick Ardagh: Das Glück ist schon da. Man muss es nur sehen.

Jutta Junge

• Januar 2003

www.gluecksforschung.de

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

 

kostenloser Counter